Farben der Schuld – Gisa Klönne

schuld.jpg„Lügen, Lügen, Lügen. Lügen und Scheinheiligkeit” nach dem wie inszeniert wirkenden mitternächtlichen Mord an einem vermeintlichen Priester stößt die „Soko Priester” nur auf Mauern. Motiv, Zusammenhänge, der Zeitpunkt des Mordes, ausgerechnet die Nacht vor Aschermittwoch, alles erscheint mysteriös. Ein richtig spannender Krimi zwischen Karneval und Kirche in Köln.
„Der Kardinal ist in allergrößter Sorge. Die Priester haben Angst. Die Sache kocht hoch. Wir brauchen Ergebnisse.” Das ist leichter gesagt als getan, zumal kurze Zeit später der zweite Mord geschieht: identische Umstände, auch diesmal schmiert der Täter das Wort „Mörder” neben sein Opfer, das bei der Telefonseelsorge arbeitete. An eben die wendet sich Judith Krieger, Hauptkommissarin und eigentlich noch außer Dienst nach einem Einsatz, bei dem sie selbst töten musste, ganz privat, denn: nach wie vor fühlt sie sich „eingesperrt….. abgeschnitten, kalt gestellt….nicht dienstfähig. Traumatisiert.” Schnell laufen die Fäden hier zusammen und die Ermittlerin, von ihrer Autorin mit einem unverwüstlichen und unverwechselbaren Instinkt ausgestattet, bringt schnell Tempo in den Fall.
Viele schillernde Spekulationen, aber nur wenige konkrete Spuren, aber: alle Richtungen der Ermittlungen erscheinen plausibel, glaubhaft und nachvollziehbar, das macht die Geschichte besonders füllig und fesselnd. „Kann ein Priester zum Mörder werden?” Der Glaube an Gott, die Lehren der Katholischen Kirche und ganz persönliche Überzeugungen stehen im Mittelpunkt und es fällt besonders Manni, Judith Kriegers Kollegen, schwer, objektiv zu bleiben. Er muss aufpassen, dass die Ermittlungen nicht zu einem „persönlich motivierten Feldzug gegen die katholische Kirche ausarten.”
Schuld und Rache, Gefühle aus enttäuschten Beziehungen und unerfüllten Sehnsüchten, all das spielt nicht nur im engen Umfeld des Falles eine Rolle, Gisa Klönne zeigt meisterhaft, wo Schwächen, Defizite, nicht übernommene Verantwortungen, Versagen auch im Privatfeld Einzelner vorkommen und geschehen. So zeigt sich der Kriminalroman ebenso schillernd und vielfarbig wie das Chamäleon der jungen Bat, Grufti-Tochter einer Mitarbeiterin der Telefonseelsorge, übrigens eine der vielen, lebendig gezeichneten Figuren.